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„Impfen Pro & Contra:
Das Handbuch für die individuelle Impfentscheidung“ von Dr. Martin Hirte
Eine Analyse

 

16. Teil – “Verabreichung von Impfstoffen, Impfabstände und Wirkungsdauer”

 

Unbekannt ist, warum ein Teil der Impflinge weder Antikörper noch einen Impfschutz entwickelt. Man bezeichnet sie als sogenannte Impfversager. Sie sind eine Art Achillesferse der Impfprogramme, da sie die Bemühungen zur Ausrottung von Krankheiten vereiteln können. Im Einzelfall kann ein Impfversager auch zu Schaden kommen, wenn er sich in falscher Sicherheit wiegt und meint, einen Impfschutz zu haben. (Seite 70)

Diese Aussage ist korrekt. Allerdings ignoriert Hirte, dass bei ausreichendem Herdenschutz niemand zu Schaden kommt und Erkrankungen sich nicht ausbreiten können. Hirte hatte an anderer Stelle kritisiert, dass die Bildung von Antikörpern als alleiniges Merkmal für die Wirksamkeit eines Impfstoffes herangezogen würde. Hier nimmt er jedoch dieses Merkmal, um es für seine Kritik zu nutzen. Es ist jedoch bekannt, dass auch „Impfversager“ (bei einigen Erkrankungen?) von einer Impfung profitieren und einen milderen Verlauf mit weniger Komplikationen haben. Der Tatsache, dass es „Impfversager“ gibt, wird von der StIKO dadurch Rechnung getragen, dass einige Impfungen öfter verabreicht werden. Dadurch wird die Wirksamkeit verbessert.

Nach Erkrankungen wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken ist der Schutz vor einer Wiedererkrankung nahezu perfekt, und die messbaren Antikörper liegen deutlich höher als nach der entsprechenden Impfung. Das erklärt sich dadurch, dass der Kontakt mit dem Antigen bei einer Erkrankung komplexer und intensiver ist als bei einer Impfung, denn er findet zunächst auf der Schleimhaut und erst nach massiver Keimvermehrung im Körperinneren statt. (Seite 70/71)

Hirte schaut sich den wahrscheinlich einzigen positiven Effekt von Wildinfektionen an und ignoriert alle Folgen, die diese haben. Die Probleme, die Hirte Impfstoffen unterstellt, treten im Rahmen einer Wildinfektion potenziert auf und sorgen für bekannte Komplikationen. Bei Masern ist eine dieser Komplikationen, dass eine längerfristige Anfälligkeit für weitere Infektionen besteht (weil das Masernvirus bestimmte Immunzellen befällt) erhöht oder ein grausamer Tod durch eine SSPE (eine Entzündung des Gehirns); bei Röteln sind es Fehlbildungen bei Neugeborenen; bei Mumps eine zur Sterilität führende Entzündung der Hoden, um nur wenige zu nennen. Die eigentliche Erkrankung ist dabei noch gar nicht erwähnt. Der „komplexere“ und „intensivere“ Kontakt der Antigene mit dem Immunsystem erhöht die Risiken, die durch „Molecular Mimicry“ entstehen könnten um Größenordnungen. Bei Impfungen sieht Hirte „Molecular Mimicry“ als sehr problematisch an.

Eine Impfung hingegen erlaubt wegen der Umgehung der Schleimhautbarriere nur eine relativ geringe Antigenzufuhr, um für den Impfling keine allzu große Gefahr darzustellen. Die dadurch geringere Produktion von Antikörpern hat unter anderem zur Folge, dass gegen Masern oder Mumps geimpfte Mütter ihren Kindern kaum einen Schutz vor diesen Krankheiten in die ersten Lebensmonate mitgeben. Bei Lebendimpfstoffen wie Masern- oder Mumpsimpfstoff ist zudem nicht sicher, ob Auffrischungsimpfungen im späteren Leben überhaupt wirksam sind. (Seite 71)

Dieser Aussage wird in einer Stellungnahme in der Schweizerischen Ärztezeitung von 2005 widersprochen (1). Es ist zwar richtig, dass der sogenannte „Nestschutz“ von geimpften Müttern weniger lang anhält als bei Müttern, die eine Wildinfektion durchgemacht haben. Diesem Problem wird jedoch damit begegnet, dass die MMR-Impfung heute ab dem 11. Lebensmonat durchgeführt wird. Dadurch entsteht eine kurze Lücke im Schutz vor der Infektion. Bei ausreichendem Herdenschutz wäre das jedoch in der realen Welt kein Problem.


 

  1. Impfratgeber: Evidenz anstelle von Behauptungen; C.-A. Siegrist, C. Aebi, D. Desgrandchamps, U. Heininger, B. Vaudaux; Schweizerische Ärztezeitung 2005; 86: Nr 9